Auf SR Online: von unseren deutschen Freunden: "Thermalbad Vitalcenter": wie kann jetzt das deutsche Projekt überleben?

Publié le par ADPSE

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Saarländischer Rundfunk
Bild: Widerstand in Hambach

Widerstand gegen Gaskraftwerk in Hambach

In der Nähe von Saargemünd soll im Dezember Spatenstich für ein riesiges Gaskraftwerk sein. Der französische Staat will damit Energiereserven für die Region schaffen. Aber die Proteste gegen das Kraftwerk werden immer lauter.

(16.11.2009) Viele Menschen befürchten große Gefahren für ihre Gesundheit und die Umwelt. Auch aus dem Saarland kommt Kritik. Die Bürgermeister vieler Grenzgemeinden fühlen sich bei der Projektplanung von ihren französischen Kollegen übergangen. Denn das Kraftwerk soll in Hambach gebaut werden - nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt.

Ihr „Nein“ zum Gaskraftwerk wollen die Gegner der geplanten Anlage jedem zeigen. Hier in Hambach wohnt der Musiker und Kabarettist Michel Uhring. Vor zweieinhalb Jahren richtete er sich mit seiner Familie in seinem Häuschen ein. Nun hat er Angst, ein Gaskraftwerk in der Nähe könnte sein Idyll zerstören. Dafür, dass er seinen Protest öffentlich kundtut, muss er gegebenenfalls finanzielle Einbußen in Kauf nehmen, meint er: Die, denen sein Widerstand nicht gefalle, würden möglicherweise Konzerte mit ihm absagen. Trotzdem gibt er nicht auf. „Ich habe dieses Haus gekauft, um mich wohlzufühlen“, sagt Michel Uhrig. „Es hat einen großen Garten mit vielen Bäumen und Blumen und ich glaubte, das Paradies gefunden zu haben. Aber seitdem das Kraftwerk geplant ist, habe ich den Eindruck, dass das Paradies zur Hölle auf Erden geworden ist, denn es gibt viel Angst“.

Das Kraftwerk soll in einem Feuchtbiotop enstehen

Auf einem Gelände bei Hambach soll das Gaskraftwerk entstehen. Eine Bürgerinitiative, die gegen das Projekt kämpft, befürchtet Umweltverschmutzung durch Kohlen-Stickstoff und Schwefeldioxid. Außerdem werde kontaminiertes Wasser in die Saar zurückgepumpt. „Das ist eine enorme Anlage von 900 Megawatt, sie passt überhaupt nicht in die Landschaft und verursacht zahlreiche Probleme“, kritisiert die Unternehmerin Isabelle Hoellinger. „Die Saar ist völlig unterdimensioniert für ein Projekt dieser Art. Außerdem wird das Kraftwerk in einem Sumpfgebiet gebaut, in einem Feuchtbiotop. Das wurde nicht berücksichtigt.“

Auch der Ingenieur Damien Marcel ist skeptisch. „Wir haben heute andere Möglichkeiten, zum Beispiel Wärmegewinnung, Blockheizkraftwerke, Photovoltaik und Windräder.“ BI-Mitstreiter Jean Luc Schmitt fehlt der langfristige Blick: „Wir müssen unser Leben anders gestalten. Wir müssen eine andere Lebensweise erfinden und befördern - für unsere Zukunft und für die Zukunft unserer Kinder, denn Gas, Erdöl und Kohle haben wir nicht ewig.“

SR Fernsehen

Bild: Sendungslogo

Der Beitrag lief in der Sendung "SaarLorLüx" vom 16.11.2009

Befürworter sprechen von Aufschwung durch Arbeitsplätze

Das Unternehmen „Direct Energie“ hält die Argumente für falsch. Das Kraftwerk sei umweltfreundlich, außerdem schaffe es Aufschwung durch Arbeitsplätze. „Man wirft uns vor, das Projekt würde nur 40 bis 50 Arbeitsplätze schaffen. Wer sagt, ‚nur 40 bis 50’, der soll doch mal selbst so viele Arbeitsplätze schaffen“, sagt Etienne Laurent vom Unternehmensverband. „Dann können wir weiter diskutieren. Aber heute 40 bis 50 Arbeitsplätze zu schaffen, ist nicht wenig. Das wertet auch die gesamte Gegend auf und gibt ihr hoffentlich neuen Schwung.“

So denkt auch der Bürgermeister von Saargemünd und Vizepräsident des Gemeindeverbands Céleste Lett: „Man muss wissen, dass die Kernenergie heute 83 Prozent bei der Energiegewinnung ausmacht. Die  übrigen 17 Prozent werden abgedeckt durch klassische Kraftwerke. Es gibt außerdem neue Energien wie Windkraft, aber es ist noch nicht möglich, damit auf den Energiebedarf in Spitzenzeiten zu reagieren. So lange wir darauf warten, dass erneuerbare Energien, effizient werden, kommen wir nicht ohne Gaskraftwerke aus.“

Mediziner warnen vor zu erwartendem Schadstoffaustritt

Das sehen über hundert Ärzte aus der Umgebung  anders. Sie warnen vor den Gesundheitsgefahren durch Schadstoffe. Drei Gaskraftwerke in der Region reichen, meinen sie. Der Chirurg Hacène Sadok hofft nun auf die Unterstützung  aus Deutschland. Je zahlreicher der Widerstand, desto größer sei die Chance auf Erfolg, meint er: „In der Region zwischen Saargemünd und Saaralbe, wo das Werk hin soll, ist die Sterblichkeit ohnehin höher als im nationalen Vergleich. Bei Lungenkrankheiten liegt die Sterblichkeit in der Region um 33 Prozent höher als im Landesdurchschnitt.“  

Dass Schadstoffe an der Grenze nicht halt machen, befürchten nun auch deutsche Gemeinden wie Kleinblittersdorf. Der Ort hat nicht nur seine Auszeichnung als Biosphärenregion zu verlieren, betont Bürgermeister Stephan Strichertz: „Wir haben auf der deutschen Seite das Projekt "Thermalbad Vitalcenter", also ein Ärzte-Kompetenzzentrum mit dem Schwerpunkt Präventivmedizin. Die Franzosen wollten dort als Minderheitsgesellschaft der Projektgesellschaft beitreten. Das Thermalbad-Projekt wurde dort auch im Rat vorgestellt. Unsere Frage war, wie sich das auf dieses Projekt auswirkt, das ja in nur zehn bis zwölf Kilometern Luftlinie vom geplanten Standort für das Gaskraftwerk entfernt ist.“

Die Gegner hoffen, den Bau durch eine deutsch-französische Großdemonstration Anfang Dezember verhindern zu können.

[die direkte URL_Adresse ist : http://www.sr-online.de/landleute/1424/988884.html

Von Bettina Rau

Die Kundgebung findet in Saargemünd am Samstag den 5. Dezember 2009 statt.

Um 14 Uhr 30, Anfang der Großdemonstration am Bahnhof in Saargemünd ..

Die ADPSE lädt Deutschland ein...

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